Hans-Werner Breithausen, Bürgermeister

 

RZ Kreis Neuwied vom Dienstag, 26. September 2017, Seite 16

 

 

 

 

Bewerber können auf Hochburgen zählen

Breithausen und Robenek haben Verbesserungspotenzial ausgemacht

 

Von unserem Redakteur Robin Brand

 

Rengsdorf/Waldbreitbach.

 

 

Am Morgen nach der Wahl klangen sie schon wieder kämpferisch: Sowohl Hans-Werner Breithausen als auch Christian Robenek haben bei der Bürgermeisterwahl dort gepunktet, wo man es erwarten konnte. Beide Bewerber haben aber auch Orte ausgemacht, wo es bei der Stichwahl besser klappen soll. SPD-Mann Breithausen holte mehr Stimmen im Rengsdorfer Land, der CDU-Politiker Robenek war im Wiedtal stark. Oder anders ausgedrückt: Keiner der Bewerber konnte im Stammland der anderen Partei hohe Überraschungserfolge einfahren – Kurtscheid ausgeklammert.

Zünglein an der Waage war am Ende Rengsdorf. In der größten Gemeinde hatten sich beide Kandidaten gute Chancen ausgerechnet. Letzten Endes distanzierte Robenek seinen Kontrahenten dort deutlich und rettete sich so in die Stichwahl. „Das zeigt, dass die Leute mit meiner Politik zufrieden sind, sonst wäre dieses Wahlergebnis nicht zustande gekommen", konstatierte Ortsbürgermeister Robenek, während sich Breithausen auch am Tag nach der Wahl noch überrascht zeigte von dem Resultat. Eines machte der Amtsinhaber deutlich: Ein zweites Mal soll ihm das nicht passieren. Vor allem am heutigen und kommenden Verwaltungssitz wird Breithausen in den kommenden drei Wochen Präsenz zeigen. Einverstanden zeigte er sich dagegen mit seinem Abschneiden in der VG Waldbreitbach, die traditionell ein schweres Pflaster für die SPD ist. „Ich denke, das war in Ordnung", sagt Breithausen. In Hausen und Datzeroth heimste er gar mehr Stimmen ein als Robenek, in Niederbreitbach hielten sich die Verluste auf seinen CDU-Kontrahenten in Grenzen. Deutlich wurde es dagegen in Breitscheid, Roßbach und vor allem Waldbreitbach, wo Robenek auf 57,4 Prozent der Stimmen kam. Dieser ist denn auch rückblickend mit seinem Wahlkampf im Wiedtal zufrieden – anders als mit seinem Abschneiden in Straßenhaus und Kurtscheid.

In Kurtscheid, sonst auch mal eine CDU-Hochburg im Rengsdorfer Land, holte der Sozialdemokrat satte 58,9 Prozent, in Straßenhaus gar mehr als doppelt so viele Stimmen wie Robenek. Dort will Robenek „Ursachenforschung" betreiben. „Gerade über das Ergebnis aus Kurtscheid, das sonst immer wertkonservativ wählt, war ich überrascht", gibt Robenek zu. Auch mit einem so deutlichen Rückstand in Straßenhaus habe er nicht gerechnet.

Mit Argusaugen dürften beide Bewerber nun das weitere Vorgehen der Grünen beobachten, die durch die Bank ihr Stammwählerpotenzial ausschöpfen konnten. „Es stellt sich die Frage, ob das eher Stimmen waren, die Hans-Werner Breithausen oder mir verloren gingen", weiß Robenek. Über eine

mögliche Wahlempfehlung mag Robenek nicht spekulieren. Aber man sei immer in Gesprächen. „Bisher haben wir das Signal vernommen, dass die Grünen keine Wahlempfehlung geben wollen", sagt Robenek und lässt es fürs Erste dabei bewenden. Schon vor der Wahl hatten die Spitzenkandidaten von FWG und FDP eine Wahlempfehlung ausgeschlossen – und auch nach der Wahl bleiben sie dabei. Heute Abend kommt die FWG zusammen, um die Wahlergebnisse zu analysieren. Holger Klein geht aber davon aus, dass die FWG bei ihrer Haltung bleibt. Auch Theodora Lippemeier, Spitzenkandidatin der FDP bekräftigte den Standpunkt der Liberalen. Man verfolge die Bürgermeisterwahl am 15. Oktober emotionslos und freue sich auf eine gute Zusammenarbeit mit dem kommenden Chef im Rathaus.

Indes scheinen beide Bewerber gewillt, in den kommenden Tagen und Wochen auch andere Töne anzuschlagen, um am 15. Oktober für eine hohe Wahlbeteiligung zu sorgen. „Wir werden noch mal angreifen", sagt Breithausen. Und Robenek sagt, man wolle noch an die ein oder andere getätigte Aussage erinnern. Ins Detail wollte er nicht gehen: „Wir wollen unser Pulver ja nicht am ersten Tag schon verschießen."

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